Sektionsabend am 14. Oktober

Kletter-Geschichten eines Franken, der auszog um zu lernen, zu entdecken und zu begeistern

„Zwickt mal euren Nachbarn, denn es ist wirklich möglich, dass wir alle uns hier treffen“, forderte Vorstand Bernd Lindner die Gäste im großen Saal des Grünen Baumes auf. Einige von ihnen leisteten diesem Aufruf auch tatsächlich Folge. Es war den zahlreichen Besuchern des ersten Sektionstreffens nach Ausbruch der Corona-Pandemie sichtlich anzumerken, welche Freude ihnen das Wiedersehen und Zusammenkommen an dem Abend bereitete.

Belohnt wurde ihr Besuch mit einem außergewöhnlichen Vortrag: Frank Kretschmann, ein Kletterer, der in „der Fränkischen“ beheimatet, aber in der Welt zu Hause ist, erzählte von seiner außergewöhnlichen „Lebensreise“.
Frank berührte das Publikum mit seinem sehr persönlichen Vortrag, den er – ein gelernter Werbefotograf, der durch beständiges Lernen und Weiterentwickeln zu einem der gefragtesten Kletter-Fotografen unserer Zeit wurde – ganz zugewandt, lässig und immer nah am Publikum darbot.

Neben zahlreichen Sektionsmitgliedern befanden sich auch die Eltern, Freunde und Kletter-Weggefährten von Frank Kretschmann im Publikum. So wurde sein Vortrag zu einer Geschichte seines Lebensweges. Die Zuschauer wurden Zeugen seiner ersten Reisen durch Marokko, Indien oder Peru. Länder, die Frank nicht nur als Fotograf bereiste, sondern immer auch als passionierter Kletterer. Seine beeindruckenden Bilder von atemberaubend schönen Landschaften, aber auch die außergewöhnlich berührenden Porträts der Menschen, denen Frank auf diesen Reisen sehr nahe kam, berührten und zeigten einen Menschen, der mit offenen Augen und wachem Geist unterwegs ist.

Seine Kletterleidenschaft und das Können, das er sich im Laufe der Zeit „in den Wänden“ aneignete, brachten ihn auch zur nächsten Entwicklungsstufe: die Kletterfotografie. Als Begleiter von Klettergrößen wie Roger Schäli, Alex Megos, Robert Jasper oder Stefan Glowacz, dokumentierte er deren sportlichen Extremleistungen sehr eindrucksvoll.

Der Weg dahin war gekennzeichnet von persönlichen Herausforderungen: Franks erste Begegnung mit der Eiger Nordwand, als er seinen Freund Robert Jasper in einfachen Wanderschuhen, ohne Steigeisen in die berüchtigte Wand begleitet. Oder die sehr persönliche und berührende Auseinandersetzung mit dem Tod des Freundes Daniel Ahnen, der im Film „Loslassen“ eine Aufarbeitung findet. Als persönlichen Lieblings-Kletterplatz zeigte Frank Kretschmann den Zuschauern die Big Walls des Yosemite-Nationalparks und gab den Tipp mit auf den Weg, keinesfalls die Räucherstäbchen im Reisegepäck zu vergessen.

Ein sehr aktuelles Projekt stellte Frank Kretschmann mit den Filmclips aus „A song for tomorrow“ vor, welches ihn zusammen mit Mayan Smith-Gobat und Ben Rueck nach China ins Quingfeng Valley führte, in eine unberührte, fast magisch anmutende Landschaft.

Die Bilder und Erzählungen von diesen Reisen konnte Frank so eindrücklich wiedergeben, dass sich viele Besucher des Sektionsabends bereitwillig dazu entschlossen, noch für eine „Film-Zugabe“ nach dem zweistündigen Programm sitzen zu bleiben.

Text: Heidi Miller

Foto: Bernd Lindner