© Alex Scholl

Mittelschwere Skitour im Sellrain

Pforzheimer Hütte 15. Bis 17.3.

15.03.2024

Manchmal kommt es besser als man denkt - Tourenbericht von Alex Scholl zur Mittelschweren Skitour ins Sellrain unter der Führung von Thomas Kolbeck, unserem Leiter der Bergsteigerabteilung.

Neue Gruppe, kein Schnee und auch noch Regen angesagt. Könnte ein ruppiger Start werden für mich als Sektionsneuling. Da ich schon etwas Patina habe, habe ich mir auch Gedanken gemacht, ob eine mittelschwere Skitour überhaupt meine Liga ist.

Am Treffpunkt in aller Frühe auf dem Festplatz in Lauf war die Welt schon mal in Ordnung. Alles nette Leute, die sich zum Teil schon ewig kannten, aber trotzdem noch Platz für einen Neuen hatten. Erste Sorge schon mal unbegründet. Dass einige Teilnehmer so alt sind wie meine Kinder sehe ich mal als Chance für ein generationenübergreifende Erfahrung. Bleibt noch die Sorge über Wetter und Bedingungen. Ob die Aussage unseres Guides Thomas „das Wetter ist meistens besser als vorhergesagt“ Zweckoptimismus oder Jahrzehnte lange Erfahrung ist, konnte ich nicht beurteilen. Dreieinhalbstunden später nähern wir uns der Einstiegsstelle in St. Siegmund im Sellrain. Mit dem Wetter hatte Thomas recht. Schäfchenwolken am azurblauen Himmel in einer wunderschönen Berglandschaft verwandeln meine gespannte Erwartung in Urlaubsentspannung. Auch wenn zweihundert Meter unter der Einstiegsstelle noch alles grün ist, denke ich das schon alles gut wird – unnötig meine Sorge. An der Einstiegsstelle ein großer Parkplatz und zumindest in Richtung der Aufstiegsspur zur Pforzheimer Hütte alles Weiß. Dann wollen wir mal.

Nach wenigen Minuten waren alle Geräusche der Zivilisation hinter uns und der sanfte Anstieg erlaubt die Gedanken schweifen zu lassen und den Alltag zu vergessen. Nach rund zwei Stunden entspanntem Marsch dann ein kleiner Anstieg zur Hütte, wo wir dann die Gelegenheit zu einer Vesper auf der Terrasse nutzen und unnötiges Gepäck im Matratzenlage ablegen konnten. Das Wetter wurde langsam schlechter, wir entschieden uns trotzdem nach den knapp 800 hm Aufstieg zur Hütte noch weiter in Richtung des Hausgipfels, dem Samer, zu gehen. Ein paar Spitzkehren konnten wir hier schon mal üben und rund 300 hm später entschieden wir uns, doch genug für den Tag geleistet zu haben. Den Tag haben wir dann mit chillen, Erzählungen von alpinen Erlebnissen und tatkräftiger Unterstützung der hochwertigen und gut organisierten Gastronomie rumgebracht. Sterne gab es zwar nur außerhalb der Hütte aber besser geschmeckt hätte es mir nach dem Tag in einem Exklusivrestaurant auch nicht. Die mittlerweile 47 € für Frühstück und Abendessen habe ich gerne ausgegeben, als Familienevent mit meinen drei Kindern wäre dies aber keine Option mehr. Insgesamt muss man pro Nase und Tag schon mit einem Hunderter rechnen.

Die voll besetzte Hütte bedeutet auch dass alle rund 30 Schlafplätze im Matratzenlager belegt waren. Die Stories über martialische Schnarcher blieben Geschichten und wurden nicht zur Erfahrung bei dieser Tour. Der Tatendrang des nächsten Tages wurde unterstützt durch fantastisches Wetter. Die Tour bis zum Skidepot ca. 100 hm unterhalb des Gipfels der Schöntalspitze war eine Mischung aus Passagen zum Träumen, Hochgebirgslandschaft und steilen Passagen wo ich froh war, auf gespurten Spitzkehren die steilen Hänge erklimmen zu können. Der Gipfelanstieg ohne Skier aber mit Tourenschuhen war für mich eine neue Erfahrung und Herausforderung. Dank des Coachings durch erfahrene Alpinisten meisterten alle diese Herausforderung. Die Abfahrt ein Traum; das letzte Stück zur Hütte fordernd durch den schweren durchgeweichten Schnee.

Die Tour des letzten Tages zum Zwieselsbacher Rosskogel hatte eine steile, ca. 200 hm lange Steigung als Schlüsselstelle; sichere Spitzkehrentechnik war gefordert. Dank der Lawinenstufe 1 war nicht mit alpinen Gefahren zu rechnen; trotzdem hielten wir großzügigen Abstand, um die Last auf den Schnee gering zu halten. Der Gipfelanstieg ab dem Skidepot war moderat und auch für Kletterneulinge problemlos machbar. 

Die herrliche Abfahrt zur Pforzheimer Hütte und anschließend zum Parkplatz war Genuss pur. In großen Bereichen war der Schnee leicht angetaut und man hatte ab und zu ein bisschen Neuschneegefühl. Eine Notbremsung war notwendig. Ein Bach hatte eine tiefe Furche in den Schnee gegraben. Trotz guter Sicht habe ich dies erst wenige Meter vorher bemerkt. Skitour in Reinstform. Wem dies zu viel Natur ist, kann ja auf eine präparierte Carvingpiste gehen. Das letzte Stück zum Parkplatz ließ keinen Zweifel, dass der Winter wohl bald vorbei ist, da der Schnee deutlich abgenommen hat im Vergleich zum Aufstieg vor drei Tagen.

Alles ist besser gekommen als erwartet. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder.

 

Text: Alex Scholl