"Wir freuen uns über jeden Meter"

MS Klettertag DAV Hersbruck17. September 2022
DMSG richtet MS-Klettertag in Hersbruck aus
 
Wenn Martina die steile Wand in der Kletterhalle des DAV Hersbruck hinaufklettert, vermutet niemand, dass sie dies mit erheblichen Einschränkungen bewältigt. Routiniert setzt sie einen Fuß vor den anderen, bleibt eng an der Wand und schafft es fast mühelos die 14 m hohe Wand hinauf. Zurück auf dem Boden merkt man, dass Martinas Gangbild sich von dem der anderen Besucher unterscheidet. Die Landshuterin ist an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, einer chronisch entzündlichen Nervenerkrankung, die oft von motorischen Störungen begleitet wird. „Das Klettern hilft mir in Bewegung zu bleiben, es macht Spaß und ich bin immer in einer Gruppe, in der ich mich austauschen kann“, erzählt Martina.

Eine starke Gruppe sind auch die MountieS aus Bayreuth. Sie nutzen den Klettersport ebenfalls als Therapiemöglichkeit für sich. „Das Klettern schult alles: Kraft, Koordination, Feinmotorik, Konzentration und man kann es hervorragend als Gruppensport ausüben“, so Tanja Pahde. Sie hat erst nach der Diagnose MS zu diesem Sport gefunden und ist nun Gruppenleiterin bei den MountieS, die etwa 40 Gruppenmitglieder zählen. „Wir freuen uns über jeden Meter, den man an der Wand aus eigener Kraft schafft.“

Sichtlich stolz kann Helga Münzenberg, Trainerin für Therapeutisches Klettern beim DAV Hersbruck, Landrat Armin Kroder und Bürgermeister Robert Ilg von ihrer Arbeit berichten. Das therapeutische Klettern hat einen großen Stellenwert im Hallenkonzept des Hersbrucker Alpenvereines. Hier ist man „Miteinander-Füreinander“.

Das ist auch der Slogan der DMSG (Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft), die den MS-Klettertag bayernweit ausrichtet. Christiane Zink, Sprecherin der DMSG und selbst von der Erkrankung betroffen wurde vor acht Jahren „von dem Virus gepackt“. Nun setzt sie sich dafür ein, dass sich MS-Patienten über die Teilnahme am MS-Klettertag untereinander austauschen können oder neu zueinander finden. Mit Erfolg, denn am vergangenen Samstag waren etwa 45 Teilnehmer aus ganz Bayern anwesend und genossen neben dem sportlichen Angebot auch den geselligen Austausch untereinander.

Die Beratungsstelle für MS-Betroffene Nürnberg, vertreten durch Martina Dismond, ist die Koordinationsstellen für alle Fragen und Sorgen rund um das Leben mit dieser Erkrankung. Sie beantwortet Fragen zu Behandlungsmöglichkeiten, Selbsthilfegruppen und Sozialrecht. Aber auch psychologische Beratung oder therapeutische Angebote, wie das von Helga Münzenberg, können MS-Patienten hier in Anspruch nehmen.

Am Nachmittag schaut sogar die Sonne raus und ermöglicht das Klettern an der Außenwand. Das Outdoor-Klettern vermittelt noch viel mehr das Gefühl von Freiheit, als das Klettern in der Halle und dieses unbeschwerte Gefühl zu spüren ist ein großes Geschenk für die Teilnehmer am MS-Klettertag. 

Text und Fotos: Heidi Miller