Roger Schäli - North 6 

02. April 2022
 
Große Bühne für einen ganz Großen der Kletterszene: Roger Schäli in der GERU Halle Hersbruck
 
Wer in den Schweizer Bergen aufwächst, dem ist das Klettern quasi schon in die Wiege gelegt. Doch trotzdem wird nicht aus jedem Eidgenossen ein Profi-Alpinist. "Ich habe so ein Feuer in mir für das Klettern" - so Roger Schäli, der am vergangenen Samstag von seinem Weg zum erfolgreichen Profibergsteiger berichtete. 
Die Zuschauer bekamen Einblicke in die Bergsteiger-Anfänge Schälis: In Sörenberg geboren, tummelte er sich im Winter auf den Skiern und im Sommer am Berg. Die anfängliche Kraxelei wurde bald zum bestimmenden Element seines Lebens. Bergführer war die naheliegende Profession, die sich Roger Schäli aussuchte. Als Erstausbildung wählte er den Zimmermannsberuf, den er zum Beispiel beim Ausbau seines Wohnwagens gut einsetzen konnte und flugs ein Domizil daraus baute, mit direktem Blick auf sein Projekt am Eiger. 
Als "Mister Eiger" wird er von der Presse oft tituliert - das liegt daran, dass er diesen Berg schon über 50 Mal, genauer gesagt, seine Nordwand, 35 Mal durchstiegen hat.
"Ich wollte schwer klettern." Das ist sein Antrieb, seine Motivation, sich immer wieder herausfordernde Kletterrouten auszusuchen, sich unter großen körperlichen Strapazen darauf vorzubereiten - auch in unserer fränkischen Region - und am Gipfel seinen Erfolg zu feiern. Roger Schäli schaffte es mit seinen Bildern und seinem besten schweizerdeutsch gefärbtem Hochdeutsch den Zuschauern seine Passion fürs Bergsteigen, fürs Klettern, für sein "Feuer" nahezubringen. Man konnte nicht nur über die großartigen alpinistischen Erfolge staunen, Schäli nahm einen mit an den Berg, in Bild und Ton. Es war förmlich spürbar, was es für ihn bedeutet, diesen Lebenstraum vom Klettern leben zu können. 
 
Im zweiten Teil seines Vortrages, nahm er das Publikum mit auf die wohl härteste Tour durch die Alpen: NORTH 6. Die sechs große Nordwände der Alpen hat er nonstop durchstiegen: Große Zinne, Piz Badile, Matterhorn, Eiger, Petit Dru und Grande Jourasses. Die Distanz dazwischen, legte der Schweizer zusammen mit seinem Seilpartner Simon Gietl aus Südtirol ebenfalls "by fair means", auf dem Rennrad zurück - eine große Herausforderung, denn anders als beim Klettern, mussten die beiden Freunde sich in dieser Disziplin "durchbeißen". Insgesamt 30.770 Höhenmeter Aufstieg, 29.470 Höhenmeter Abstieg und über 1000 km Strecke bewältigten die beiden zu Fuß, auf dem Rad, am Seil und mit dem Gleitschirm. Die Bilder und emotionale Dokumentation dieses Abenteuers komponierte Frank Kretschmann aus Egloffstein - auch er ein Sportkletterer und Profi-Fotograf, der letztes Jahr bei uns in der Sektion zu Gast war. Sehr eindrücklich war das "Nacherleben" dieser Nordwände-Tour: die schroffen Zinnen in Südtirol, das tänzerische Heruntergleiten mit den Gleitschirmen, die "Schinderei" am Eiger - wie es Simon Gietl am Gipfel erleichtert nannte, aber auch das Drama am Petit Dru, als die Expedition um ein Haar gescheitert wäre. Und bei all diesen Höchstleistungen, erzählte der 43 jährige Schäli ganz bescheiden von seinem Glück, diese Berufung ausüben zu können. Er war ganz zugänglich für das Publikum, beantwortete Fragen, signierte Eintrittskarten und ließ sich auch für ein Selfie ablichten.
 
Die GERU-Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt und Schäli gab zu Beginn ganz offen zu, etwas nervös zu sein, da er schon lange Zeit nicht mehr vor so einem großen Publikum sprechen durfte. War ja auch nicht möglich - coronabedingt. Dieser Abend war auch für die Sektion des DAV Hersbruck der letzte Veranstaltungsabend an dem nochmal alle Pandemieregeln befolgt werden mussten: 3G-Kontrolle, Bestuhlung mit Abstand, Maskenpflicht im öffentlichen Bereich. Umso erfreulicher war der große Erfolg des Abends, zu dem auch die Bewirtung durch das Catering-Team des Restaurants Michelsberg und die "Feinen Weine" mit ihrem Getränkeservice sorgten. Im Amerikanischen sagt man "to be continued" - mal sehen, was noch kommt!


Autor: Heidi Miller